LEBENSABSCHNITTE - SCHWANGERSCHAFT

Zahnpflege während der Schwangerschaft intensivieren

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Mundgesundheit sollte oberste Priorität haben

Wie Sie bereits wissen, haben Ihr Lebensstil und Ihre Gewohnheiten Einfluss auf Ihre Gesundheit und die Gesundheit Ihres ungeborenen Babys. Bei allen Dingen, die jetzt auf Sie zukommen, steht Ihre Mundgesundheit vermutlich nicht ganz oben auf Ihrer Liste. Die Gesunderhaltung von Zähnen und Zahnfleisch ist jedoch unabdingbar, um das Risiko einer Schwangerschaftsgingivitis zu reduzieren und um langfristig für eine gute Mundgesundheit zu sorgen.

Eine ausgewogene Ernährung während der Schwangerschaft leistet ebenfalls einen wichtigen Beitrag zu Ihrer Zahngesundheit und hält Sie und Ihr Baby im Allgemeinen gesund. Die Zähne des Babys beginnen sich bereits zwischen dem dritten und sechsten Schwangerschaftsmonat zu entwickeln. Deshalb sollten Sie darauf achten, ausreichend Kalzium, Vitamin D, C und A, Phosphor und Eiweiß zu sich zu nehmen.

Ein verbreiteter Irrglaube lautet, dass Frauen, die während der Schwangerschaft nicht genügend Kalzium zu sich nehmen, Kalzium aus den Zähnen abbauen. In Wirklichkeit kommt es in diesem Fall zu einer Abnahme des Kalziums in den Knochen, nicht in den Zähnen. Wenn Sie hingegen während der Schwangerschaft auf eine kalziumreiche Ernährung achten, werden Ihre Knochen und Zähne – und die Ihres Babys – stark und gesund bleiben.

Verschieben Sie Zahnarzttermine während des ersten Trimesters

Im ersten Trimester der Schwangerschaft (in den ersten 13 Wochen) entwickelt sich der Großteil der Organe des Babys. Bei Zahnarztterminen während des ersten Trimesters sollten Sie Ihren Zahnarzt über Ihre Schwangerschaft informieren und nur eine Routineuntersuchung und eine zahnhygienische Reinigung vornehmen lassen. Größere zahnmedizinische Eingriffe sollten Sie, wenn möglich, auf später verschieben. Zögern Sie bei zahnärztlichen Notfällen jedoch nicht, diese behandeln zu lassen! Infektionen im Bereich des Mundes können Ihnen und Ihrem Baby schaden. Suchen Sie unverzüglich Ihren Zahnarzt auf und stellen Sie sicher, dass sämtliche Zahnpflegeexperten, die Sie untersuchen, wissen, dass Sie schwanger sind.

Vermeidung von Röntgenstrahlen

Natürlich kann es passieren, dass bei schwangeren Frauen ein Zahnnotfall eintritt, der eine Röntgenaufnahme erforderlich macht. Doch wenn Sie während der Schwangerschaft auf eine gute Zahnpflege achten, verringern Sie damit die Wahrscheinlichkeit einer zahnärztlichen Röntgenuntersuchung und vermeiden damit die Röntgenstrahlung für Ihr Baby. Sollte es dennoch zu einer Röntgenuntersuchung kommen, machen Sie sich keine Sorgen. Ihr Zahnpflegeexperte wird die Strahlungsbelastung so weit wie möglich minimieren, indem er Sie mit einer Bleischürze und einem Bleischutz für Ihre Schilddrüse ausstattet.

Machen Sie sich Ihr erhöhtes Risiko für Zahnfleischentzündungen bewusst

Wenn Sie schwanger sind, sollte Ihr Zahnarzt über die ersten Anzeichen einer Zahnfleischentzündung in Kenntnis gesetzt werden. Schwangere Frauen haben ein erhöhtes Risiko, an Parodontose zu erkranken. Dies ist auf den für eine Schwangerschaft typischen Anstieg des Progesteronspiegels zurückzuführen, der wiederum mit einer übersteigerten Reaktion auf Plaque-Bakterien einhergeht. In Folge dessen neigen schwangere Frauen eher zu Zahnfleischentzündungen – sogar dann, wenn sie sich um eine regelmäßige Mundgesundheitspflege bemühen.

Zahnfleischentzündungen treten am häufigsten zwischen dem zweiten und dem achten Schwangerschaftsmonat auf. Lassen Sie es Ihren Zahnarzt oder Dentalhygieniker wissen, wenn Sie schwanger sind — er oder sie wird Ihnen im zweiten oder frühen dritten Trimester möglicherweise zusätzliche Zahnhygienetermine empfehlen, um die Auswirkungen des erhöhten Progesteronspiegels abzufangen und Zahnfleischentzündungen vorzubeugen.

Während der Schwangerschaft sind 50 bis 70 Prozent aller Frauen von Schwangerschaftsgingivitis betroffen. Deshalb sollten Sie beim täglichen Zähneputzen und bei der Zahnzwischenraumpflege besonders sorgfältig sein, um Plaque unter Kontrolle zu halten. So sollten Sie vorgehen:

  • Verwenden Sie eine wiederaufladbare elektrische Zahnbürste. Viele Modelle entfernen mehr Plaque als herkömmliche Handzahnbürsten. Wenn Sie sich eine elektrische Zahnbürste zulegen, gehen Sie einen wichtigen Schritt in Richtung Plaquekontrolle in Ihrem Mund und sorgen dafür, Zahnfleischentzündungen vorzubeugen und zu lindern.

  • Putzen Sie Ihre Zähne mit einer Zahnpasta, die Zahnfleischentzündungen vorbeugt. Lesen Sie die Packungsbeilage sorgfältig durch und stellen Sie sicher, dass Ihre Zahnpasta tatsächlich Inhaltsstoffe zur Bekämpfung einer Zahnfleischentzündung enthält.

  • Reinigen Sie Ihre Zahnzwischenräume. Auch wenn Ihr Zahnfleisch durch die Entzündung geschwollen ist und blutet, ist die Anwendung von Zahnseide ein Muss. Wenn Sie täglich Zahnseide benutzen, können Sie mehr Plaque entfernen, als wenn Sie die Zähne nur mit der Zahnbürste putzen. Sie verringern zudem das Risiko einer Schwangerschaftsgingivitis.

  • Mit Mundwasser gegen Gingivitis spülen. Eine Mundspülung mit Bestandteilen, die einer Zahnfleischentzündung vorbeugen, das i-Tüpfelchen einer vorbildlichen Mundhygiene während der Schwangerschaft.

Geburt

Die Parodontose-Vorbeugung ist für die Gesundheit werdender Mütter nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch während der Geburt wichtig. Daten einer Studie, die 2008 im Journal of Periodontology veröffentlicht wurde, belegen, dass Frauen, die während der Schwangerschaft unter Parodontose litten, deutlich anfälliger für eine Präeklampsie waren. Dabei handelt es sich um potenziell lebensbedrohliche Komplikationen während der Geburt. Die Ergebnisse der Studie deckten sich mit den Erkenntnissen verschiedener früherer Studien, die in Fachzeitschriften zur Zahnheilkunde, Geburtshilfe und Gynäkologie veröffentlicht wurden und einen deutlichen Zusammenhang zwischen einer aktiven Zahnfleischentzündung während der Geburt und einem erhöhten Risiko für eine Präeklampsie (einer mit hohem Blutdruck einhergehenden Komplikation während der Geburt) zeigten.

Diabetes und Schwangerschaft

Leiden Sie unter Diabetes und planen Sie, schwanger zu werden? Typ-1- oder -2-Diabetiker sind einem höheren Risiko ausgesetzt, Zahnfleischentzündungen zu erleiden, als Menschen ohne Diabetes. Das Risiko ist größer, da der höhere Blutzuckerspiegel bei Menschen mit Diabetes ideale Voraussetzungen für Bakterien schafft, die zur Entstehung von Plaque und Zahnfleischentzündungen führen können. Darüber hinaus sind Diabetiker meist anfälliger für Infektionen, darunter auch Mundinfektionen, als Menschen ohne Diabetes.

Wenn Sie schwanger sind und unter Diabetes leiden, setzen Sie sich einem höheren Komplikationsrisiko aus, wenn Sie Ihre Mundgesundheit vernachlässigen. Ergebnisse einer Studie, in deren Rahmen Schwangere mit Typ-1-Diabetes und Schwangere ohne Diabetes verglichen wurden, haben ergeben, dass Schwangere mit Diabetes von deutlich höheren Plaque-Ansammlungen und Zahnfleischentzündungen betroffen waren als Schwangere ohne Diabetes.

Informieren Sie sich über die Medikamente, die Sie einnehmen müssen.

Einige Antibiotika und Schmerzmittel können während der Schwangerschaft bedenkenlos eingenommen werden und können notwendig sein. Eine bestimmte Antibiotika-Gruppe, die Tetracyclin und ähnliche Wirkstoffe enthält, kann jedoch bei den bleibenden Zähnen der noch ungeborenen Kinder zu einer Hypoplasie (Unterentwicklung) des Zahnschmelzes und/oder zu Zahnverfärbungen führen. Weisen Sie Ihren Arzt unbedingt auf Ihre Schwangerschaft hin, falls er Ihnen dieses Arzneimittel verschreibt.

Rechnen Sie mit Morgenübelkeit.

Die Morgenübelkeit – eine häufige Begleiterscheinung während der Schwangerschaft – ist mit Schwindel und Erbrechen verbunden. Sie kann jedoch zu jeder Tageszeit auftreten. Wenn Sie an morgendlicher Übelkeit leiden, empfiehlt es sich, ein eigenes Notfallköfferchen dabei zu haben. Packen Sie folgende Dinge in eine kleine Tasche:

  • Blickdichte Plastiktüten ohne Löcher (z. B. Einkaufstüten)

  • Feuchte Tücher, Kosmetiktücher oder Taschentücher, um Gesicht und Mund reinigen zu können

  • Eine kleine Flasche Wasser, um Zähne und Mund auszuspülen

  • Mundspülung, Zahnpasta und Zahnbürste im Reiseformat, um den Geschmack von Magensäure zu vertreiben

  • Mundspray oder Pfefferminz

Bereiten Sie sich auf Veränderungen in Ihrem Mund vor.

Während der Schwangerschaft können Sie Anzeichen einer Dysgeusie (veränderte oder unangenehme Geschmackswahrnehmungen) oder eines Ptyalismus (überhöhter Speichelfluss) wahrnehmen.

So bekommen Sie den schlechten Geschmack in Ihrem Mund in den Griff:

  • Putzen Sie sich häufig die Zähne und gurgeln Sie mit einer Mischung aus Backpulver und Wasser (1/4 Teelöffel Backpulver auf ein Glas Wasser), um pH-Werte zu neutralisieren.

  • Geben Sie eine Zitronenscheibe in Ihr Wasser, trinken Sie Limonade oder lutschen Sie Zitronenbonbons.

  • Verwenden Sie Plastikbesteck und -geschirr, um den metallischen Geschmack zu verringern.

Im Falle eines übermäßigen Speichelflusses können Sie viel Flüssigkeit zu sich nehmen, um häufiger schlucken zu müssen. Auch Lutschbonbons können helfen.

Wie Zahnverfärbungen entstehen

Tetracyclin ist ein hochwirksames Antibiotikum, das viele Frauen vor 1980 während der Schwangerschaft einnahmen. Es fand insbesondere in den 50er-Jahren weithin Verwendung. Aus diesem Grund neigen Erwachsene, die vor 1980 geboren wurden, oftmals zu hartnäckigen Grauverfärbungen auf den Zähnen.

Studien haben gezeigt, dass sich in den sich entwickelnden Zähnen des Babys Verkalkungen ablagern, wenn eine Frau während der Schwangerschaft Tetracyclin eingenommen hat. Das Ergebnis ist ein dunkelgrauer oder grau-brauner Fleck, der den gesamten Zahn befällt. Die Verfärbungen können auch als horizontal verlaufende Streifen mit unterschiedlicher Farbintensität auftreten. Außerdem kann es sein, dass bei Kindern, die während der Ausbildung ihrer Zähne Tetracyclin einnehmen, Verfärbungen auf den Zähnen entstehen.

Einige Menschen, bei denen sich aufgrund von Tetracyclin Verfärbungen auf den Zähnen zeigen, entscheiden sich für Kronen oder Veneers, um das Erscheinungsbild ihrer Zähne zu verbessern. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Art der Behandlung Sie nicht davon entbindet, eine konsequente Mundpflege vorzunehmen und regelmäßig den Zahnarzt aufzusuchen, um Anzeichen von Karies rechtzeitig zu erkennen.

Im Jahr 2006 hat eine Studie belegt, dass erfreuliche Ergebnisse erzielt werden konnten, wenn zunächst eine Kombination aus ärztlich verschriebener Fluoridzahnpasta und eine Kombination aus Behandlungen zur Zahnaufhellung in der Arztpraxis durchgeführt wurden und der Patient im Anschluss daran über einige Wochen zu Hause ein Bleaching über Nacht angewendet hat. Überprüfen Sie mit Ihrem Zahnarzt, ob Sie Verfärbungen aufgrund von Tetracyclin haben. Er kann Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, diesen Flecken entgegenzuwirken. Zahn-Bleachings erhöhen die Empfindlichkeit der Zähne, daher werden Sie zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen ergreifen müssen, wie z. B. die Verwendung einer Zahnbürste mit sanften Borsten oder weicher Zahnseide, um Unannehmlichkeiten zu reduzieren und auch weiterhin Ihre regelmäßige Mundpflege vornehmen zu können. Außerdem kann eine Zahnpasta für empfindliche Zähne hilfreich sein.